top of page

Markt und Wissenschaft: Wie das Promotionsrecht private Hochschulen verändert

  • Autorenbild: ProPriHo
    ProPriHo
  • 7. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Private Hochschulen gelten als „hybride Expertenorganisationen“ – sie verbinden akademische Ansprüche mit marktwirtschaftlichem Druck. Diese Teilstudie aus dem ProPriHo-Projekt zeigt: Ob eine Hochschule das Promotionsrecht besitzt, macht für Professor*innen einen spürbaren Unterschied – bei Zufriedenheit, Engagement und Identität. 


Hybride Hochschulen – hybride Rollen 

Private Hochschulen sind längst fester Bestandteil des deutschen Hochschulsystems. Doch sie bewegen sich in einem besonderen Spannungsfeld: Einerseits gelten sie als klassische Expertenorganisationen, in denen wissenschaftliche Autonomie zählt. Andererseits stehen sie unter starkem Wettbewerbs- und Refinanzierungsdruck. „Privathochschulen vereinen zwei Logiken in sich – die akademische und die ökonomische“, erklärt Prof. Dr. Marcel Schütz. „Uns hat interessiert, wie sich dieses Spannungsfeld auf die Professorinnen und Professoren auswirkt.“ Im Mittelpunkt dieser Studie steht die Frage, welche Rolle das Promotionsrecht – also das Recht zur Verleihung des Doktortitels – für Arbeitszufriedenheit, Engagement und Commitment spielt. 


Zufriedener mit Promotionsrecht 

Die Ergebnisse sind deutlich: Professor*innen an privaten Hochschulen mit Promotionsrecht berichten in nahezu allen Bereichen höhere Zufriedenheitswerte als ihre Kolleg*innen an Hochschulen ohne Promotionsrecht. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei der Forschungsförderung sowie bei Arbeitsbelastung und Zeitorganisation. Während die durchschnittliche Zufriedenheit mit der Forschungsförderung insgesamt eher niedrig ausfällt, liegt sie an Hochschulen mit Promotionsrecht signifikant höher. 

„Das Promotionsrecht scheint mehr zu sein als ein formaler Status“, so Merle Kirstein (Projektmitarbeiterin). „Es schafft offenbar strukturelle Bedingungen, die Forschung ermöglichen – und stärkt damit auch das professionelle Selbstverständnis.“ 

 

Drei Typen von Professor*innen 

Besonders aufschlussreich sind die Clusteranalysen. Sie identifizieren drei Rollenprofile: 

  1. Allround-Orientierte, die hohe Werte bei Zufriedenheit, Engagement und Bindung aufweisen. 

  2. Lehr- und berufsorientierte Professor*innen, mit starkem Praxisbezug und geringerem Forschungsengagement. 

  3. Fach- und forschungsorientierte Professor*innen, die sich stark über ihre Disziplin definieren. 

An Hochschulen mit Promotionsrecht finden sich überdurchschnittlich viele Allround- und forschungsorientierte Profile. Hochschulen ohne Promotionsrecht bringen häufiger lehrintensive und praxisnahe Rollenbilder hervor. „Wir sehen hier keine einheitliche‚ private Professur“, betont Alena Klenke. „Vielmehr entstehen je nach institutionellem Rahmen unterschiedliche Formen professioneller Identität.“ 


Stark im Fach – unterschiedlich gebunden 

Ein weiteres zentrales Ergebnis: Das Commitment gegenüber dem eigenen Fach ist im Durchschnitt stärker ausgeprägt als die Bindung an die Hochschule. Dieses Muster entspricht der Logik von Expertenorganisationen, in denen die disziplinäre Identität traditionell dominiert. Doch auch hier zeigt sich der Effekt des Promotionsrechts: An Hochschulen mit Promotionsrecht sind sowohl das fachliche als auch das organisationale Commitment signifikant höher. „Das Promotionsrecht stabilisiert offenbar die akademische Identität – und reduziert Spannungen zwischen Markt- und Wissenschaftslogik“, fasst Prof. Dr. Marcel Schütz zusammen. 


Eigenständige Akteure im Hochschulsystem 

Die Studie macht deutlich: Private Hochschulen sind keine abgeschwächten Kopien staatlicher Einrichtungen. Sie bilden eigenständige, differenzierte Formen hybrider Expertenorganisationen. Ob lehr- und praxisorientiert oder stärker forschungsbasiert – die institutionelle Verfasstheit prägt Arbeitsbedingungen, Motivation und Bindung der Professor*innen maßgeblich. Merle Kirstein dazu: „Entscheidend ist nicht nur, ob eine Hochschule privat ist, sondern wie stark sie wissenschaftliche Strukturen institutionell absichert.“ Damit liefert die Studie nicht nur empirische Befunde, sondern auch Stoff für eine grundsätzliche Debatte: Wie viel akademische Selbstbestimmung braucht eine Hochschule, um im Wettbewerb bestehen zu können – ohne ihre wissenschaftliche Identität zu verlieren? 


[auf Publikation verweisen]

 
 
 

Kommentare


© 2026 NBS Northern Business School Hamburg für ProPriHo
NBS Northern Business School  I  Wandsbeker Markstr. 103-107 | 22041 Hamburg

bottom of page