Zwischen Hörsaal und Nebenjob: Wie Professor*innen an privaten Hochschulen ihre Rolle leben
- ProPriHo

- 25. März
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Apr.

Ein wachsender Sektor, viele offene Fragen
Die im European Journal of Higher Education veröffentlichte Studie basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 1.213 Professor*innen. „Uns ging es darum, die professionelle Realität systematisch zu erfassen – nicht nur Arbeitsverträge, sondern auch Zufriedenheit und Bindung“, Alena Klenke. „Private Hochschulen sind Expert*innen-Organisationen – und ihre Qualität steht und fällt mit dem Engagement der Professor*innen.“
Viel Engagement – oft in Teilzeit
Die Mehrheit der Befragten verfügt über unbefristete Verträge (über 90 Prozent), doch rund 38 Prozent arbeiten in Teilzeit. Besonders häufig nennen sie zusätzliche berufliche Aktivitäten als Grund.
Tatsächlich geben 56 Prozent an, neben ihrer Professur einer weiteren professionellen Tätigkeit nachzugehen – am häufigsten selbstständig. Im Durchschnitt investieren sie 38 Stunden pro Woche in ihre Hochschule und weitere 13 Stunden in Nebentätigkeiten. Insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 47 Stunden.
„Wir sehen hier eine Form hybrider Professionalität“, ordnet Prof. Dr. Marcel Schütz ein. „Viele halten bewusst den Kontakt zur Praxis – das kann bereichernd sein, verändert aber auch das klassische Professorenbild.“
Zufrieden mit der Lehre – kritisch bei Leitung und Geld
Die Zufriedenheit fällt differenziert aus. Besonders positiv bewertet werden die eigentliche akademische Tätigkeit und die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen. Auch flexible Arbeitsmöglichkeiten wie Homeoffice schneiden gut ab.
Deutlich kritischer sehen viele Befragte jedoch Forschungsförderung, finanzielle Vergütung und Hochschulleitung. „Gerade in marktnahen Bereichen wie Finanzierung und Management zeigen sich Spannungen“, so Alena Klenke. „Das wirkt sich auf die institutionelle Bindung aus.“
Stark im Fach – schwächer zur Institution
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Frage nach der Bindung: Professor*innen fühlen sich am stärksten ihrem Fach verpflichtet, weniger ihrer Hochschule. Das entspricht dem klassischen Bild der „Expertenorganisation“, in der die Identifikation primär über die Disziplin läuft.
„Viele sehen sich zuerst als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – und erst in zweiter Linie als Organisationsmitglieder“, erklärt Prof. Dr. Marcel Schütz. Die Bindung an Nebenjobs liegt im Mittelfeld – weder dominant noch marginal.
Leitung entscheidet über Loyalität
Was stärkt die Bindung an die eigene Hochschule? Eine Regressionsanalyse zeigt: Vor allem Zufriedenheit mit der Hochschulleitung und wahrgenommene Lehrfreiheit erhöhen die organisationale Verbundenheit deutlich. Rollenkonflikte hingegen – etwa widersprüchliche Erwartungen zwischen Lehre, Verwaltung und externen Tätigkeiten – schwächen sie.
Bemerkenswert: Weder Geschlecht noch das Vorhandensein eines Nebenjobs beeinflussen die organisationale Bindung signifikant.
Alena Klenke: „Es kommt weniger darauf an, ob jemand mehrere Rollen hat. Entscheidend ist, wie gut Leitung, Autonomie und Aufgabenprofil zusammenpassen.“
Eine Professur im Wandel
Die Studie zeigt eine Professur zwischen Disziplin, Markt und Organisation. Private Hochschulen bieten Spielräume – aber auch strukturelle Herausforderungen, etwa bei Forschungsressourcen oder institutioneller Integration.
„Private Hochschulen sind keine Unternehmen wie jedes andere“, betont Marcel Schütz. „Wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen, müssen sie die professionelle Identität ihrer Professorinnen und Professoren ernst nehmen – und institutionelle Bindung aktiv gestalten.“
Mehr Informationen finden Sie in dem Fachartikel Professional realities for professors in private higher education in Germany – Results from an online-survey (Röbken, H.; Schütz, M.; Klenke, A.; Kastens, C.; Buchwald, P.) veröffentlicht 2025 im European Journal of Higher Education. Hier klicken.



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