
Bericht der Abschlussveranstaltung
Professuren an Privaten Hochschulen –
Zwischen Vielfalt und struktureller Herausforderung
Aktualisiert: 06.05.2026
Lesezeit: 5 Minuten
Wie arbeiten Professor*innen an privaten Hochschulen? Welche Bedingungen prägen ihren Alltag in Lehre, Forschung und Verwaltung? Diesen Fragen widmete sich am 24. April 2026 die Online-Abschlusstagung des Forschungsprojekts „Professorinnen an Privathochschulen: Arbeitsbedingungen, Rollenkonstellationen und Engagement in Lehre, Forschung und Verwaltung (ProPriHo)". Neben der Präsentation zentraler Forschungsergebnisse stand der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Hochschulpraxis im Mittelpunkt.
Prof. Dr. Marcel Schütz, Teilprojektleiter an der NBS, eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Dr. Hendrik Woiwode vom Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH. Hendrik Woiwode erläuterte kurz den Hintergrund der 2023 ins Leben gerufenen Forschungsförderlinie NISTA: Während staatliche Hochschulen gut erforscht sind, fehlt es bei privaten Einrichtungen an belastbaren Daten – eine Lücke, die ProPriHo neben rund 20 anderen Projekten schließen will.
Kernbefund: Vielfalt statt Einheitsbild
Das Projektteam präsentierte Ergebnisse eines umfangreichen Online-Surveys, der zwischen September und November 2024 durchgeführt wurde. Professor*innen an Privaten Hochschulen in Deutschland wurden zu ihren Arbeits- und Lehrbedingungen sowie zu ihren Auffassungen und Einschätzungen gegenüber Beruf und Institution befragt. Das zentrale Ergebnis: Private Hochschulen sind sehr heterogen. Die Ausgestaltung von Professuren variiert erheblich – ebenso wie die Zufriedenheit der Lehrenden. Pauschale Aussagen über die Privathochschule greifen zu kurz. Die qualitativen und quantitativen Teilstudien zeichnen vielmehr ein differenziertes Bild unterschiedlicher Profile, Strategien und Arbeitskulturen.
Berufungsverfahren im Fokus
André Will von der Euro-FH Hamburg ergänzte die Perspektive mit Einblicken aus einem weiteren Projekt der Förderlinie: BeProf, das Berufungsverfahren an privaten und staatlichen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften vergleicht. Erste qualitative Interviews zeigen: Auch hier unterscheiden sich die Prozesse deutlich – mit Konsequenzen für die Zusammensetzung und Selbstverständnis der Professorenschaft
Praxis trifft Forschung
Prof. Dr. Heike Pospisil, Vizepräsidentin des hlb – Bundesvereinigung e.V., brachte die Perspektive der Lehrenden ein. Sie benannte strukturelle Herausforderungen, die sich aus den spezifischen Rahmenbedingungen privater Hochschulen ergeben.
Forschungslücken bleiben
Dr. Axel Philipps vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg ordnete die Ergebnisse wissenschaftlich ein. Sein Fazit: Private Hochschulen rücken zwar zunehmend in den Blick der Hochschulforschung, doch empirische Lücken klaffen weiterhin. Besonders fehlt es an Längsschnittstudien und vergleichenden Analysen, die Entwicklungsdynamiken sichtbar machen.
Paneldiskussion: Chancen, Grenzen, Zukunftsfragen
Den Abschluss bildete eine Diskussion unter der Frage "Professur an Privathochschulen – quo vadis?". Im Panel: Dr. Moritz Mälzer (BMFTR, Referat Hochschul- und Wissenschaftsforschung), Prof. Dr. Marcus Bysikiewicz (Verband der Privaten Hochschulen e.V.), Prof. Dr. Heike Pospisil (hlb) und Prof. Dr. Marcel Schütz (ProPriHo).
Konsens und Kontroverse
Einigkeit bestand darüber, dass Private Hochschulen eine wichtige Ergänzung zum staatlichen System darstellen – mit eigenen Profilen, Zielgruppen und Innovationspotenzialen. Kontroverser diskutiert wurde hingegen die Frage der Forschungsförderung: Während staatliche Hochschulen auf etablierte Förderstrukturen zurückgreifen können, bleiben private Einrichtungen teilweise außen vor. Dies verschärft Ungleichheiten und hemmt Forschungsambitionen. Ein weiterer Diskussionspunkt: der Austausch zwischen privaten und öffentlichen Hochschulen. Alle Beteiligten betonten, dass gegenseitiges Lernen möglich und wünschenswert sei – etwa bei der Digitalisierung der Lehre oder bei flexiblen Studienformaten. Doch institutionelle Barrieren und Vorbehalte erschweren zuweilen eine intensivere Kooperation. Problematisch seien für einige Private Hochschulen auch bestehende Barrieren bei der Antragstellung für Forschungsförderungen – vor allem jene der Länder und von Stiftungen, während jene des Bundes einen breiten Zugang ermöglicht. So, wie es ja auch für die hier betrachtete Förderlinie der Fall gewesen ist.
Differenzierung statt Schubladendenken
Die Tagung machte deutlich: Private Hochschulen verdienen eine differenzierte Betrachtung. Weder sind sie per se innovativer noch problematischer als staatliche Einrichtungen. Entscheidend sind die konkreten Rahmenbedingungen, unter denen Professor*innen arbeiten – und diese variieren erheblich.
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Die begleitenden Präsentation der Veranstaltung als Download (PDF).
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Vortragsmitschnitte erscheinen in Kürze auf dieser Seite

